Montag, 21. September 2015

Montägliches Chaos stapeln

Die Woche fing gerade erst an und schon hat man wieder einen rieeeeesigen Haufen an To-do's.
Als erstes ging es darum die Situation vom Wochenende dem Anwalt zu schildern.
Die Ärzte im Krankenhaus sind schon wieder nicht in der Lage dazu den Liebsten vernünftig aufzuklären und über Veränderungen der Medikamentendosis und Co. zu informieren, beziehungsweise um das Einverständnis zu fragen.

Danach gab es ein Termin im Beratungszentrum von der jam GmbH. Hier ging es um die Frage, ob wir den Kampf um die Große aufgeben sollten, um ihr den ganzen Stress zu ersparen und darauf zu warten, dass sie alt genug ist und dann von sich aus den Kontakt sucht.
Letztendlich ist das immer so eine Sache. Das Papaherz blutet beim Gedanken daran. Allein schon deswegen kommt es nicht in Frage. Außerdem ist die Mutter ja nicht in der Lage die Rechte von der Großen zu wahren, sondern mit Händen und Füßen zu stoßen. Was würde aus ihr werden, wenn auch der Papa nicht mehr für die Rechte von unserer Prinzessin kämpfen würde?

Zur Erklärung: das Recht auf Umgang liegt beim Kind und nicht bei den Eltern. Es ist die Pflicht der Eltern dieser Sache nachzukommen. Das verstehen viele nicht.
Kommt mir aber in dieser Sache zu Gute, weil auch ich einen Erzeugeranhang vom Mini habe. Unsere Situation gestaltet sich jedoch anders.

Ich habe mich bereits vor dem Wissen, dass ich schwanger bin, getrennt. Warum? Na ja, ich schrieb ja bereits, dass mein Leben das reinste Chaos ist. Ich hatte gerade erst eine lange Beziehung beendet, weil wir zwei mit zu unterschiedlichen Vorstellungen unser Leben planten.
Ich hatte gerade erst einen neuen Job angenommen und dabei auch neue Leute kennengelernt. Darunter auch den Erzeuger meines Bubis.
Es gab ein kurzes Hin und Her. Einerseits war ich mir nicht sicher, ob die Trennung das Richtige war. Andererseits wollte der Neue zuviel auf einmal und packte eine Lügengeschichte nach der anderen heraus - wie sich im Nachhinein herausstellte.
Letztendlich ist er zweimal ganz arg ausgeflippt. Beim ersten Mal erklärte ich ihm, dass ich einfach andere Vorstellungen vom Leben habe und denke, dass meine Trennung ein Fehler war. Er schmiss dabei seinen Bürostuhl durch das halbe Zimmer gegen den Schreibtisch. Beide Computerbildschirme wackelten so arg, dass ich dachte, die fallen herunter. Gleichzeitig bekam ich richtig Angst und überlegte wie schnell ich aus der Wohnung laufen könnte ohne dabei meine Sachen liegen lassen zu müssen.

Dummerweise begann ich den Fehler das Ganze 2 Wochen später wieder neu anzufangen - nach dem Motto: die Gute gibt jedem eine zweite Chance ... Manchmal könnte ich mich echt für diese Eigenheit Ohrfeigen!
Das zweite Mal flippte er in meiner Wohnung aus. Über der Toilette hatte ich eine Ablagefläche. Da lag auch immer einiges herum. Weil ich nicht möchte, dass etwas in die Toilette fällt, wenn ich da herumkrame, habe ich immer den Toilettendeckel herunter gemacht. Das war für mich ein absolutes MUSS! Ich hatte es an dem Tag schon mehrmals bemängelt - Männer sind manchmal echt taub!
Beim gefühlt xten Mal wurde ich dann auf spaßige Art Ernst. Also ich habe zum Spaß geschimpft und dazu noch einen Witz gerissen. Er wurde auf einmal richtig sauer und tobte durch die Wohnung. Ich habe ihn dann einfach rausgeschmissen. Und von da an habe ich jeglichen Kontakt unterbunden.

In den darauffolgenden 4 Wochen entwickelte ich einen Drang dazu alles essbare in mich hinein zu stopfen. Wobei ich da gewisse Vorlieben entwickelte. Und ich bekam Kreislaufprobleme. Kopfschmerzen waren auch ganz schlimm. Und ich hätte am liebsten den ganzen Tag geschlafen. Dann war ich plötzlich überfällig. Na ja, kann sich ja auch mal verschieben?! Einen regelmäßigen Zyklus hatte ich bisher nicht.
Als mir dann aber eines abends zum Ende meiner Schicht ganz übel wurde und ich fast umgekippt bin, fragte ich, ob ich früher gehen könne, weil es mir überhaupt nicht gut ging. Auf dem Weg nach Hause beschloss ich noch einen Abstecher zum Drogeriemarkt zu machen. Ich musste jetzt wissen, ob ich schwanger bin.

Mein Heimweg lief über einen Bahnhof. Da lag eine Frau bewusstlos auf dem Boden. Ein recht junges Mädchen versuchte bereits die Frau anzusprechen. Ich eilte dazu und wir leisteten erste Hilfe. Der Krankenwagen kam dann auch recht schnell und nahm die Dame mit. Sie roch stark nach Alkohol. Mir war ganz übel bei dem Geruch.
Nach so viel Action testete ich dann 15 Minuten später Zuhause positiv.

Die nächsten zwei Wochen ging es mir immer schlechter. Die Kreislaufprobleme nahmen zu. Und ich bekam starke Unterleibsschmerzen - Mutterbänder - war der Standardspruch.
Eines Tages sagte die Ärztin dann zu mir, dass sie das Gefühl hätte, ich würde das Kind nicht wollen.
Tja, was dachte sie denn? Definitiv nicht das Gleiche wie ich!

Ich musste über ihre Aussage nachdenken. Und es packte mich Angst und Panik zugleich. Es fühlte sich an, als ob mein Leben plötzlich vorbei sei. Wer will mich schon? Alleinerziehend. Mit Kind von einem anderen. Da ich  ungefähr in der 9. Schwangerschaftswoche war, begann ich alles für eine Abtreibung zutun.

Und dann saß ich in der Arztpraxis zum Vorgespräch. Im Warteraum war gerade ein Paar mit ihrem gerade erst geborener Tochter. Ich fing an zu weinen. Erst jetzt weihte ich meine Freundin ein.
Ich brachte das Gespräch hinter mich und traf mich dann mit ihr.

Ich glaube mittlerweile, dass ich mich da bereits gegen eine Abtreibung entschieden hatte.
Jedenfalls ging es mir nach dem Gespräch besser. Und von da an freute ich mich auf mein kleines Wunder.

Wenn man so plötzlich, wie ich, Mutter wird, dann stellt man plötzlich alles in Frage. Ich hatte, z.B. große Angst einen Jungen zu bekommen, weil ich nicht in ein Abbild des Erzeugers blicken wollte.
Nachdem ich mich gegen die Abtreibung entschieden hatte, wusste ich dann auch recht früh, dass ich einen Jungen bekomme - ohne es jemals auf einem Ultraschallbild gesehen zu haben. Mein Gefühl hat es mir einfach gesagt.
Mit der wachsenden Freude fand ich das weniger schlimm. Vorher dachte ich, dass ich mein Kind dann nicht lieben könnte. Wie fair ist es ein Kind zur Welt zu bringen, wenn man sich nicht sicher ist, ob man es lieben kann? Ich hätte das kleine Leben damit doch zerstört.

Es gab übrigens vor der Frage, ob Abtreibung oder nicht, einen erneuten Streit zwischen Erzeuger und mir. Wir sind beim gleichen Arbeitgeber angestellt - da spricht sich das schnell herum. Letztendlich hatte ich Grund zur Annahme, dass er mir etwas antun könnte. Er war so sauer, dass ich nicht abgetrieben habe.

Auch während der Schwangerschaft, als ich mehrmals versuchte auf ihn zu zugehen, kamen immer wieder Probleme auf.
Mittlerweile würde ich jeglichen Kontakt untersagen.
Mein Sohn wächst in unserer kleinen Familie behütet auf und hat einen gaaaaanz tollen Papa, der mal mehr und mal weniger gut nachdenkt :D Merkt man spätestens dann, wenn der Mini schlafen möchte und soll und der Papa anfängt Lärm zu machen. Männer halt ...
Ich denke, dass es jetzt nicht angebracht ist den Kontakt herzustellen. Er ist zu klein und würde diese Konstellation nicht verstehen.
Wenn ich denke, dass seine geistige Reife soweit aufgebaut ist, dass er es versteht, dann erkläre ich ihm die Verhältnisse. Was dann passiert, steht noch in den Sternen.


Wie ihr an unserem Patchworkwahnsinn seht: Es sind nicht Alle gleich!

Mein Liebster hat zum Beispiel die Elternzeit übernommen und sich um seine Tochter gekümmert, während die Mutter, aus welchen Gründen auch immer, ihre Ausbildung nicht unterbrechen wollte.
Und nachdem sie dann beschloss, dass sie mit ihrer Affäre glücklicher ist und geflüchtet ist, hatte er keine Chance mehr sich um die Große zu kümmern.
Schon traurig wie das Leben manchmal verläuft.

Heute Nachmittag war ich mit meinem Bubi spazieren, nachdem wir unser erstes, gemeinsames Bild gemalt hatten.
Dabei sammelte ich eine kleine Kastanie auf. Vor einem Jahr habe ich die Kastanien hinten im Garten aufgesammelt - mit dickem Kugelbauch. Ich kann mich noch genau daran erinnern wie anstrengend es für mich war.
Der Herbst war sehr schön! Die letzten Oktobertage war es warm und sonnig. Und danach erhellte mein Mini für mich die Welt.

Die Zeit vergeht so wahnsinnig schnell!






Mein Liebster hat heute Spätschicht. Ich werde deshalb den Abend genießen, auf der Couch lümmeln und mir einen schönen Film anschauen. Vielleicht plündere ich dabei den Naschschrank :D

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