Mittwoch, 21. Oktober 2015

#Stiefmutterpost Nr. 1

Ja, ich bin eine Stiefmutter. Für meinen Geschmack lieber eine Bonusmama. Das klingt weniger negativ angehaucht. Wobei genau DAS das Problem ist.
Unsere Geschichte ist sehr lang und kompliziert. Immer, wenn ich versuche, mich mit anderen darüber auszutauschen, einfach einmal zu jammern oder um Rat fragen möchte, dann klingt es immer ganz schlimm nach einem 'B*tchfight'.

Es ist seit einer Woche sehr ruhig um den Blog. Ich finde es sehr schade, weil ich hierfür gerne Zeit aufbringe. Es geht aber gerade nicht anders. Ich fühle mich sehr ausgelaugt, machtlos, verzweifelt, allein ...
Ich denke, dass ich mit der zunehmend schlimmer werdenden Situation überfordert bin. Das liegt hauptsächlich daran, dass wir nichts machen können, sondern zuschauen müssen. Und die entsprechenden Institutionen handeln entweder gar nicht oder brauchen ewig, bis sie sich den nötigen Überblick verschafft haben und dann feststellen, dass sie nichts machen können.

Diesen Post, der wohl demnächst eine kleine Serie ergeben wird, können sicher nur Menschen verstehen, die die Seite einer Stiefmutter kennen. Stiefmutter sein bedeutet nicht das Gleiche wie wir es aus dem Märchen kennen. Es hängt so viel mehr damit zusammen. Und genau darüber werde ich schreiben. Weil ich sonst niemanden habe, der für mich da ist, mir mit meinem Kummer hilft oder gar Kraft gibt.


Fakten, Fakten, Fakten ...

Um nicht um den heißen Brei herum zu schreiben, Liste ich die wichtigsten Fakten auf, damit man ein wenig Hintergrundwissen zu diesem Thema erlangt.


  • Partner & Exfrau getrennt seit Ende 2013
  • sie ging fremd
  • große Tochter vom anderen Mann + gemeinsame Tochter (Ziehtöchterchen)
  • Beziehung zwischen uns seit Sommer 2014
  • ich war schwanger von einer Affäre nach einer langjährigen Beziehung (kein fremdgehen)
  • Partner kämpfte von Anfang an um Umgang mit Ziehtöchterchen
  • gerichtlicher Vergleich im Sommer 2014 wirkte
  • es besteht gemeinsames Sorgerecht

Als ich mit MJ in das Leben der beiden trat, haben wir als frisches Paar von Anfang darauf geachtet, dass wir so schonend wie nur möglich zu Ziehtöchterchen sind. Wir haben also ganz langsam damit angefangen, dass sie mich kennen lernt. Das war kurz vor ihrem 3. Geburtstag.

Da ich selbst Scheidungskind bin und meine Mutter Liebeleien hatte als ich in dem Alter war, weiß ich, dass es durchaus zu Eifersüchteleien kommen kann.
Es war tatsächlich so, dass Ziehtöchterchen immer wieder signalisierte, das sie ihren Papa nicht teilen möchte. Sie sagte auch immer wieder: 'Das ist mein Papa.'
Darauf reagierte ich sehr verständnisvoll und antwortete: 'Ja, E., das ist dein Papa. Und er soll auch dein Papa bleiben. Den nimmt dir niemand weg.'
Gleichzeitig versuchte ich ihr Vertrauen zu gewinnen, indem wir herum alberten, wilde Spiele spielten (Oh Gott, ich war hoch schwanger und wir liefen so manch einen Nachmittag um das Auto herum und spielten Fange! :D) und schöne Patchworkfamilienmomente hatten.
Es wirkte tatsächlich. Sie fasste mehr Vertrauen. Bei Ausflügen oder Einkäufen wollte sie manchmal nur von mir zur Toilette begleitet werden. Ich war schon sehr stolz darauf.

Es gab grundsätzlich immer die Sorge, dass Ziehtöchterchen nicht vernünftig versorgt wird. Bereits während ihrer Beziehung/Ehe kamen Situationen auf, in denen sich zeigte, dass sie den Haushalt nicht schafft und die Kinder oft nicht ganz so optimal versorgt waren. Mein Partner war zu der Zeit sehr oft auf Lehrgängen und kam immer erst Freitagnacht nach Hause (einmal quer durch Deutschland). An den Wochenenden musste er dann die Wäschehaufen neben dem Wäschekorb waschen, den Einkauf erledigen und andere Notwendigkeiten im Haushalt irgendwie meistern.
Im gerichtlichen Vergleich war festgesetzt, dass Ziehtöchterchen definitiv vor dem Abholen Mittag oder Frühstück gegessen haben sollte. Es kam vor, dass sie nichts gegessen hatte. Wir wurden allerdings auch nicht darüber informiert. So kam Ziehtöchterchen also hungrig zum Umgang.

Viel schlimmer fand ich, dass ihre Kleidung immer sehr muffig roch. Manchmal auch nach Zigaretten. Sie hatte öfter Jeans an, die wirklich ganz dolle Dreckränder hatten. Es kann sich jeder sicher vorstellen wie gaaaaanz alte Jeans aussehen, die man recht lange nicht gewaschen hat. Das ist anders, als wenn ein Kind saubere Kleidung anzieht und dann beim Spielen im Dreck wühlt. 
Gleichzeitig lief sie über mehrere Wochen mit Turnschuhen umher, die ein sehr großes Loch vorn beim großen Zeh hatten. Es wurde bereits Herbst. Die Temperaturen waren schon sehr niedrig und zu dieser Zeit regnete es viel. 
Zu jedem Umgang kauften wir also fehlende Kleidung (weil sie ja für die Wochenenden auch keine Wechselkleidung mit bekam). Natürlich gaben wir die Kleidung nicht mit, sondern behielten sie hier.

Irgendwann fand ich es einfach nur noch schlimm. Wenn mein Partner die Mutter beim zurückbringen darauf ansprach, dann schrie sie ihn vor Ziehtochter immer an. Dabei fielen grundsätzlich Beleidigungen. Um die kleine nicht weiter einzuschüchtern entgegnete er nichts mehr und ging dann. 
Aufgrund dieser Tatsachen gab ich eine Meldung wegen Kindeswohlgefährdung auf. 
Die Überprüfung ergab, dass es Potential gäbe der Mutter Hilfe anbieten zu müssen. Diese verweigerte sie. Es passierte nichts.
Parallel dazu erpresste sie ihn immer wieder, dass er kein Umgang haben dürfe, wenn er seine Umgangswochenenden nicht verschiebe, weil sie ohne nachzufragen einfach Geburtstagseinladungen annahm. Das ist jetzt nur ein Beispiel von vielen Situationen.

Die Wochen darauf gab es Plaudereien zwischen Ziehtöchterchen und uns, die verlauten ließen, dass etwas im argen ist.
So war es, dass wir uns entschlossen einen kleinen Ausflug zu machen. Das Auto musste einmal in die Waschanlage. Klein MJ war bereits auf der Welt. Ich zog ihn also wettergerecht an, während ich ein Auge auf die Große hatte, die sich ebenfalls neben uns anzog. Währenddessen fragte sie, ob sie mitkommen darf. Ich war sehr verwirrt und sagte: 'Na klar, darfst du mit! Man darf Kinder nicht allein Zuhause lassen, weil da ganz schlimme Dinge passieren können. Außerdem möchten wir doch einen tollen Ausflug machen.'
Sie plauderte dann weiter: 'Ja. P. passt immer auf mich auf.' 
Ich wurde hellhörig und ahnte schlimmes: 'P. passt auf dich auf? Seid ihr denn manchmal alleine?'
Die Große dann ganz stolz: 'Ja. Wenn Mama einkaufen geht, dann passt P. auf mich auf.'
Innerlich war ich rasend vor Wut. Ich konnte es nicht fassen. Ihre Schwester war zu dem Zeitpunkt 5 Jahre alt. Der Supermarkt ist jetzt nicht gerade um die Ecke. 
Dazu erwähne ich am besten, dass die Mutter gelernte Erzieherin ist - 2 Jahre jünger als ich.

An einem anderen Wochenende kam sie singend ins Wohnzimmer: 'Mama hat Se*.' Mir fielen die Augen aus dem Kopf. Am liebsten wäre ich wie Rumpelstilzchen ausgeflippt.
An vielen von den Wochenenden führte sie mit sich selbst Streitgespräche. Das allerdings nur, wenn sie alleine in einem Raum war. 
Ja, auch das kommt vor. Wenn wir das Essen in der Küche zubereiten und sie in ihr Zimmer geht, um dort zu spielen oder etwas zum spielen in die Küche zu holen, dann läuft keiner von uns jedes Mal hinterher. Ich gehe davon aus, dass es einfach im normalen Familienalltag üblich ist, das Kinder dem Alter entsprechend selbstständig sein dürfen.
Sie meckerte also mit sich selbst: 'Geh in dein Zimmer! Ich will dich für den Rest des Tages nicht mehr sehen!' Für eine 3 Jährige tat sie das in einem sehr zornigen Ton. 
Andere Gespräche waren: 'Ich hab keine Kohle! Geh jetzt. Lass mich in Ruhe. I c h  h a b  k e i n e  K o h l e!'
Meine Versuche diese Streitgespräche auf Video aufzunehmen, damit uns endlich jemand glaubt, scheiterten, weil sie jedes Mal beschämt verstummte, wenn sie merkte, dass sie nicht allein ist.

Der Oberknaller - entschuldigt meine Umgangssprache! - war, dass sie dann erzählte: 'Wir ziehen zu S. (Ort).'
Tja, wir wurden also vor vollendete Tatsachen gestellt und sie war von einem Wochenende auf das andere einfach in einem anderen Ort - 100km entfernt.
Und da fing dann der Horror an. 
Dieser Zeitpunkt lag ein Monat nach der Geburt von MJ.

Was von da an passierte, das berichte ich in den nächsten Tagen. Ich muss jetzt erst einmal meine Gedanken sammeln und mich dem Familienleben widmen. Es tut nicht gut, wenn ich mich zu sehr mit diesen Umständen beschäftige solange sich nichts ändert.

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