Donnerstag, 26. November 2015

RUMStag - Mamaordner

Hach, ich habe gestern den Mamaordner aus dem Regal gezogen und darin geblättert.
Sicherlich kann sich gerade niemand vorstellen, was so ein Mamaordner denn sein soll. Und genau deswegen möchte ich euch heute zum RUMStag zeigen, was mein Mamaordner bereit hält.



Letztes Jahr (2014) habe ich aufgrund gewisser Anzeichen im März einen Schwangerschaftstest gemacht und damit das erste Mal bewusst wahr genommen, dass ich bald Mama sein könnte. Für mich waren die darauffolgenden Wochen wirklich schwer.
Mein kleiner Schatz war indirekt kein Wunschkind - ich hatte mich 1 Monat zuvor vom Erzeuger getrennt, weil für mich seine extreme Eifersucht und Wutausbrüche nicht tragbar waren.
Ich war immer absolut gegen eine Abtreibung. Niemals konnte ich mir vorstellen, dass ich jemals genau das in Betracht ziehen würde. Und ich tat es tatsächlich, weil mich meine damalige Frauenärztin mit nur einem einzigen Satz: 'Ich habe das Gefühl, dass sie das Kind nicht wollen.' wirklich stark durcheinander brachte.
Urplötzlich dachte ich, dass ich für immer ganz allein mit diesem Kind sein werde und niemals einen Partner an meiner Seite finden würde. Ich entwickelte eine Abneigung gegen dieses kleine Wesen und dachte, dass ich es niemals lieben könnte. Dazu beschlich mich die Ahnung, dass es ein Junge wird und genauso aussieht wie der Erzeuger. Wie kann ich so ein Kind lieben, was mich jeden Tag mit dem Aussehen an so einen Menschen erinnert? Wie kann ich einem Kind bloß so etwas antun? Dass ich es nicht lieben kann und schlimm behandel?
Ich bekam Panik. Oft ließt man, dass Menschen, die von der Mutter abgegeben wurden, Schwierigkeiten haben, weil es nicht so einfach ist seine Identität, seine Wurzeln für sich selbst zu akzeptieren. Niemals konnte ich meinem eigenen Kind zumuten zur Adoption freigegeben zu werden. Wie ungeliebt muss sich so ein kleines Wesen wohl fühlen?

Ich schämte mich. Für meine Gefühle und Gedanken. Für meine Ängste. Für meine womögliche Verantwortungslosigkeit.
Ich plante die Abtreibung. Saß im Wartezimmer für das erste Gespräch beim Arzt. Und da saß eine junge Mami mit ihrem Mann und ihrer kleinen Tochter. Ich fing an zu weinen. Ich fing an so starke Gefühle für meinen kleinen Wurm zu entwickeln, dass ich mich bereits vor dem Arztgespräch für meinen so wundervollen Schatz entschied.
Ich war kurz vor dem Ende des ersten Trimesters. Und dann entstand der Mamaordner.

Dieser Mamaordner ist für mich. Ich wollte unbedingt, dass meine Erinnerungen nicht verblassen, sondern der Ordner wie eine kleine Reise durch meine Schwangerschaft griffbereit daheim liegt und ich von Zeit zu Zeit in Erinnerung schwelgen kann.
Gleichzeitig musste ich mein Beschäftigungsverbot mit Aufgaben füllen, damit ich mich nicht den ganzen Tag langweile.
Leider habe ich es im letzten Trimester nicht geschafft diesen Ordner zu Ende zu bringen. Deshalb habe ich mich gestern entschieden dies nun über ein Jahr später nachzuholen, weil die Erinnerungen immer mehr verblassen und ich nicht möchte, dass alles in Vergessenheit gerät.


Ich kann nur jeder werdenden Mama raten, dass sie sich auf ihre Art und Weise die Schwangerschaft für die Ewigkeit festhält. Ob das nun ein Tagebuch ist oder so ein Ordner, der nicht nur Daten und Listen enthält, sondern auch wichtige Merkblätter über Ernährung oder Termine in der Schwangerschaft.
Da ich mich überall angemeldet hatte, bekam ich natürlich auch etliche Broschüren und Hefte. Auch von den Beratungsstellen nahm ich Infomaterial mit. Irgendwann schnitt ich die besten Sachen davon aus und fügte sie in das jeweilige Trimester hinzu.
Es ist übrigens sehr witzig zu lesen, was ich mir für Namen ausgesucht hatte. :D



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