Mittwoch, 17. Februar 2016

#Stiefmutterpost Nr. 5

Ich bin gerade sehr traurig, wütend, fassungslos und erschöpft. Ein Leben als Stiefmutter habe ich mir SO definitiv NICHT vorgestellt.
Die letzten Wochen waren wirklich hart. Wir waren aber wieder auf einem Weg zu einem guten Weg - hahaha! klingt ja wirklich toll ...
Und gestern ist für mich so richtig die Welt zusammen gebrochen. Aber jetzt versuche ich einfach einmal zu erzählen, was überhaupt alles passiert ist.

Mitte Dezember war die Gerichtsverhandlung zum Antrag auf Aufenthaltswechsel für Ziehtochter. In dieser Gerichtsverhandlung war es völlig egal wie sehr das Leben dort für die Große auf der Kippe steht. Die Mutter hat einfach simple Erklärungen geliefert. Damit war der Richter zufrieden und alle Beteiligten sollten die Anträge zurück ziehen.
Von da an wurde das Verhalten des kleinen Mädchen auch extrem schwierig. Sie wollte plötzlich nicht mehr bei uns sein. Sie 'weinte' auf erpresserische Art in Situationen, wo sie ihren Willen nicht bekam, nach ihrer Mutter.
Ja, ich klinge sehr gemein und kaltherzig. Aber man muss das einmal erlebt haben. Wir geben uns jedes Wochenende extrem viel Mühe das Leben für sie so angenehm wie möglich zu gestalten - MIT den entsprechenden Regeln und Grenzen, die bei uns in der Familie an der Tagesordnung liegen. Es funktioniert einfach nicht, dass sie andere Regeln und Grenzen hat als der Jüngste. Das würde in ein paar Wochen zu extremen Schwierigkeiten und Verhaltensauffälligkeiten führen.
Mit dem, was wir für sie tun, ist es dann sehr schwer Verständnis für ein heraus gequältes heulen zu haben. Erst recht, wenn man dann ganz schief angeguckt wird, ob man denn auf dieses Weinen eingehen würde.

Unser Alltag geht auch an den Umgangswochenenden weiter. Da muss auch Essen gekocht, Wäsche gewaschen und der Haushalt gemacht werden. Mein Sohn ist mit seinen fast 16 Monaten in der Lage in dieser Zeit allein zu spielen. Für ihn ist es natürlich Routine, weil jeder Tag auch Spielzeit allein beinhaltet.
Die Große kann allerdings nicht allein spielen. Sie fragt den ganzen Tag über nach dem Fernseher und findet all ihre Spielsachen langweilig. Bei dieser Aussage fiel mir wirklich die Kinnlade herunter.

Ich geriet an meine Grenzen. Ich hatte keine Kraft mehr und ich wollte das so auch nicht mehr mitmachen. Der arme Papa. Aber da muss er durch. Denn nur er kann sich Hilfe holen, damit wir die Situationen geregelt kriegen, einen anderen Blickwinkel aufgezeigt bekommen und das Leben wieder halbwegs okay ist an den Wochenenden.
Der Liebste konnte sich aber nicht aufraffen. Wie immer hatte er wohl große Angst vor Enttäuschungen oder was auch immer. Darum stand nun auch vor ein paar Wochen unsere Beziehung auf dem Spiel.
Ich war soweit am Ende, dass ich einen Nervenzusammenbruch hatte. Der Tag war gar nicht toll.

Warum? Warum ist das alles so belastend für mich?
Ich bin selbst Scheidungskind. Mein Vater war ein sehr eifersüchtiger Mann - wahrscheinlich in gewissen Punkten zurecht. Ich bin der Meinung, dass dazu 2 Menschen gehören. Es fand häusliche Gewalt statt, auch uns Kindern gegenüber. Wir durften keine Freunde haben, weil sowieso alle doof waren und an irgendwelchen Unternehmungen nahmen wir auch nie teil. Fast die erste Hälfte meines bisherigen Lebens habe ich sehr abgeschottet gelebt.
Ich weiß wie sehr ich darunter gelitten habe, dass mein Vater mich so arg nach der Scheidung manipuliert hat.
Und nun sehe ich dieses kleine Mädchen wie sie so hin und her gerissen ist und total überfordert mit den negativen Emotionen ihrer Mutter, dem chaotischen Leben dort und dem geregelten Leben bei uns. Ich kann und darf nichts für sie tun. Das fällt mir sehr schwer, weil ich eben erahne wie es ihr geht. Ihr Vater ist ziemlich machtlos und ihre Mutter scheint sich dessen nicht bewusst zu sein (das ist manchmal auch eine Frage des Willens ...).

Stattdessen regt sie sich ewig darüber auf, dass sie regelmäßig zum Jugendamt muss. Naja, was erwartet sie denn? Sämtliche Leute in ihrer Stadt haben sich beim Jugendamt gemeldet und Kindeswohlgefährdung angezeigt. Wir selbst hatten ja nur den Oktober über mehr Ambition beim Jugendamt gezeigt und es danach einfach als sinnlos erachtet. Damit rechtfertigt sie jedenfalls immer wieder, dass sie fehlende Unterlagen nicht einreicht, über medizinische Neuigkeiten nicht informiert und generell ihren Pflichten nicht nachkommt. Und ich finde es ziemlich lächerlich. Mit diesem Verhalten bestätigt sie doch einfach unsere Befürchtungen, dass es der Großen bei ihr nicht gut geht.
Würde sie sich wie eine verantwortungsvolle Mutter und verlässliche Frau benehmen, dann sähe das Ganze definitiv anders aus.
Wir haben ihr schließlich beide im Sommer noch einmal einen riesigen Vertrauensvorschuss gegeben und ihr das auch so gesagt. Stattdessen lügt sie einfach weiter und hält sich nicht an Absprachen.

Nun gut, wir haben nun über andere Wege Hilfe ins Haus geholt, um unsere Situation hier retten zu können. Es ist ein harter Weg und es wird noch einige Zeit dauern bis wir an dem Punkt angelangen, wo wir das Zepter mit Selbstsicherheit in die Hand nehmen können.
Es klingt ein wenig so, als würde es bei uns drunter und drüber laufen. Wir befinden uns derzeit einfach in einer Sackgasse und wissen nicht weiter.

Zu allem Überfluss kam am Wochenende der Verdacht auf, dass ich Krebs haben könnte. Ich war wirklich schockiert, es kam eine große Angst auf und ich hätte am liebsten einfach nur geheult. Gestern hatte ich dann endlich einen Arzttermin. Und es hat sich herausgestellt, dass es etwas völlig Banales ist. Mir fiel wirklich ein großer Stein vom Herzen.
Es gab in den letzten Jahren viele Krebsfälle in unserer Familie und ich achte sehr darauf, dass ich das Risiko nicht mit künstlichen Hormonen und gewissen mit Chemikalien getränkte Hygieneartikel und Co. begünstige.
Die Hormone in der Schwangerschaft begünstigen so etwas ja leider auch recht häufig.
Nun gut. Ich war also nach dem Termin wirklich fertig.

Zu meiner Stiefmutterrolle gehört ja auch, dass ich nicht nur die Große als Familienmitglied akzeptiere, sondern auch die Familie des Liebsten. Dementsprechend bin ich auch Schwiegertochter in Spee. Oh! Nein. Für diesen Satz werde ich sicher wieder angeschrien und provoziere endgültig herauf, dass ich mir eine 'runterhauen' lassen muss.
Des Liebsten Eltern standen gestern unangemeldet 1 Tag nach seinem Geburtstag auf der Matte. Er war eher Zuhause als ich.
Sie fielen wohl mit den Worten, dass sie Onkel und Tante werden in die Tür und forderten den Kindersitz der Großen ein. Es folgten Vorwürfe, dass der Liebste letztes Jahr nur zweimal angerufen hätte.
Dann kam ich, habe sofort gesagt, dass es unmöglich ist, das sie sich nicht anmelden und ich sie hier nicht haben möchte. Seine Mutter hat mich ausgelacht. Es sei ja unmöglich so etwas zu verlangen!
Verzeihung. Ich bin kein kleines Kind mehr und finde es unverschämt wie sehr meine Privatsphäre durch so viel Egoismus verletzt wird. Sollen sie doch bitte woanders Theater machen und uns in Ruhe lassen.
Das Haus verlassen wollten sie natürlich nicht. Stattdessen schrie sie mich an und kam mir so nahe, dass der Liebste dazwischen gehen musste, weil er dachte, das gleiche die Fetzen fliegen. Ich bin ja auch nur schwanger und muss mich tatsächlich in meinem eigenen Zuhause von einer besitzergreifenden Frau so unmöglich bedrohen lassen.
Sie forderten sämtliches Geschirr und Besteck ein, welches sie dem Liebsten damals gekauft hatten, nachdem seine Exfrau ihm das Haus ausgeräumt hatte. Sie forderten auch das Kinderbett für die Große zurück. Alles natürlich sofort. Also mussten wir nach diesem Tag auch noch alle Sachen zusammen suchen.
Dass sie ihrem nicht-mehr-Enkelkind die Sachen direkt vor einem Umgangswochenende wegnehmen, interessiert dabei auch niemanden. Einzig und allein ihr Groll und ihre Erpressung ist ihnen wichtig.
Wir ahnten ja nun schon länger, dass es soweit kommen wird, weshalb wir seit September immer Mal wieder einige Beschaffungen gemacht hatten. So konnten wir gestern die neue Matratze für das Bett zum Auslüften und Auslockern hinlegen. Heute haben wir das Bett gekauft und uns neues Geschirr und Besteck zugelegt.
Vor Weihnachten haben wir die Aktion von Ikea genutzt und uns die 10% auf die Gutscheinsumme geholt.
Zu allem Überfluss musste sein Vater auch noch auf der Facebookseite posten, welche Sachen noch fehlen würden und das diese dann via Post geschickt oder vom Liebsten selbst gebracht werden können. Ich habe dazu noch einmal auf das Hausverbot verwiesen, weitere Sachen aufgelistet, die sie gefälligst selbst abholen können - MIT Ankündigung, weil wir das dann polizeilich begleiten lassen möchten - und darauf hingewiesen, dass sie sich das nächste Mal besser organisieren sollten, damit sie auch ihren ganzen Krempel mitkriegen.

Bei uns kam ja nun öfter das Thema Hochzeit auf den Tisch. Dem Liebsten Zuliebe hätte ich seinen Nachnamen angenommen. Er möchte den nicht ablegen, weil er dann das Gefühl hat, dass sein Familienstamm 'ausstirbt'. DAS ist für mich nun keine Option mehr. Ich möchte nicht den Nachnamen einer Familie tragen, die nur dann nett ist, wenn ich nach deren Nase tanze und nicht mein eigenes Leben und meine eigenen Ideale leben darf. Ich kann mich damit einfach nicht identifizieren und habe bereits genug aufgegeben, dass ich dazu einfach nicht mehr bereit bin.
Und das geht noch weiter. Es ist unglaublich wie sehr 2 Menschen ein Leben zerstören können.

Ich kann nur hoffen, dass wir beide gestärkt aus diesem Schlamassel heraus kommen und unser Leben trotzdem bald so leben wie wir es für uns gedacht hatten. Aber das kann jetzt nur die Zeit zeigen.


Fazit: Stiefmutter werden und sein ist eine sehr schwierige Aufgabe, die nicht jeder tragen kann. Und ich wünschte, dass es mehr Respekt in dieser Welt für diese Rolle geben würde. Jede einzelne Frau, die so ein schweres Schicksal freiwillig auf sich nimmt, hat es verdient dafür etwas Schönes im Leben zu bekommen. Und von Frauen wie mich gibt es nicht gerade wenig. Es wäre sehr schön, wenn mehr Menschen darauf aufmerksam gemacht werden können und etwas für so viel Leid in Familien getan wird.

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