Dienstag, 5. April 2016

Unterricht verdauen auf biblisch?!

Es war Montag und wieder soweit, dass der Unterricht für uns Täuflinge stattfand.
Wenn man sich als Erwachsener nachträglich taufen lässt, dann ist es so, dass man im Vorfeld gelegentlich in der Gemeinde, einzelnen Gesprächen oder ähnliches zusammen kommt, um in die Religion eingeführt zu werden.
Wie genau das abläuft, hängt von der Gemeinde ab. 

Bei uns ist es so eine Art Unterricht, zu dem wir uns Themen heraussuchen, die uns interessieren und beschäftigen.
Wir hatten mit dem Ablauf des Kirchenjahres begonnen. Wir haben über das Gesangsbuch unserer Region gesprochen und dabei dann auch zum Abschied abends das Lied, welches ich dem Jüngsten zum Schlafen vorsinge, gesungen: "Weißt du wieviel Sternlein stehen"
Unser Zwerg bekommt übrigens auch ein eigenes Schlaflied aus dem Gesangsbuch. Ich habe es bereits ausgesucht und freue mich sehr darauf es in ein paar Wochen singen zu können.
Das hat mich schon nach der Geburt von klein MJ immer sehr berührt.

Jedenfalls wollten wir heute den Aufbau der Bibel besprechen und eine Teilnehmerin fragte, wann sie in den Himmel kommt. Denn eigentlich sei es nicht möglich so zu leben wie die Bibel es abverlangt, da in der heutigen Zeit einfach zu viele Menschen entgegen dem Ganzen leben und somit anderen die Chance darauf nehmen.
Dabei kam das Thema Vergebung auf. Es sei wichtig, dass man vergibt. Aber dies ist eben sehr schwer.
Auch ich fing dann an mich mit dem Thema auseinander zu setzen.
Das übrigens nicht zum ersten Mal. Ich hatte mir ja nicht umsonst den Taufspruch ausgesucht (“Liebt eure Feinde; tut wohl denen, die euch hassen; segnet, die euch verfluchen; bittet für die, die euch beleidigen.”
Lukas 6,27-28).

Jedenfalls musste ich als erstes daran denken wie man Menschen wie der Else denn vergeben sollte.
Jemand warf ein, dass Vergeben auch immer bedeutet, dass dem zu Vergebenden das Schuldeingeständnis über die Lippen kommen müsse, damit es möglich sei zu vergeben.
Ich musste dabei innerlich soooooo laut auflachen. :D
Ein Mensch, der zuerst an sich denkt, anstatt dem Kind etwas Gescheites zu kaufen geschweige denn es ernähren zu können, kann niemals Schuld eingestehen. Das wiederum bedeutet nämlich, dass man sein Leben komplett verändert. Und dazu ist Else einfach nicht fähig. 

Also bleibt mir die Chance auf Vergebung vergönnt. Wobei es mich absolut nicht stört, da ich mich emotional davon distanziert habe. Schließlich ist es nicht mein Leben, dass den Bach runter geht. Und solange es meinen Kindern gut geht, können andere machen, was sie als wichtig erachten.
Dass die Große daran zerbricht, ist ein Fakt, den niemand ändern kann. Hier heißt es einfach nur abwarten. Und bis dahin einfach glücklich sein. Als Paar. Als Familie.
Solange wir wissen wie wir glücklich sein können, wird uns das auch niemand nehmen können.

Ich hatte vorhin mit dem Liebsten darüber gesprochen. Über meinen Unterricht. Er war in der Zeit mit dem Jüngsten einkaufen. Und wir handhaben es generell so, dass wir uns dann austauschen, zumal es von meiner Seite einiges mehr zu berichten gab als sonst und ihn selbst in Bezug auf seine Pflichten betrifft.
Da kamen wir dann auch auf die 10 Gebote zu sprechen. Von wegen man solle Mutter und Vater ehren.

Tja, hatte ich euch berichtet, dass dann eine Rückantwort über den Anwalt seiner Eltern kam mit dem Inhalt, dass er dort jederzeit Willkommen sei und sie ihm helfen, wenn er Hilfe braucht?
Wahrscheinlich nicht. War ja auch wirklich beschämend so etwas zu lesen, nachdem sie ihm erstmal wie einem bösen, kleinen Kind Dinge weggenommen haben, die ja eigentlich für die Große zur Nutzung gedacht waren.
(Seine Antwort darauf war: "Darauf können sie lange warten.")
Ich vermute immer noch, dass es ihre Art ist die Liebe des Sohnes zu erpressen, weil sie nicht begreifen, dass man so etwas nur geschenkt bekommen kann, wenn man es selbst auch schenkt.
Und ihren Sohn können sie nicht lieben. Es ist mir unbegreiflich weshalb es so ist. Aber es ist so. Als Mutter käme mir niemals in den Sinn meine Kinder unglücklich zu machen. Dazu zählt eben auch, dass man respektiert wie das eigene Kind leben möchte. Und ja, dazu gehört auch, dass man den Lebenspartner respektiert und nicht von Beginn an beleidigt und dann selbst auch noch lügt, um im besseren Licht zu stehen.

An dieser Stelle tut mir der Liebste sehr leid. Ich selbst weiß ja wie es ist, da mein Vater ähnliche Anwandlungen hat. Aber meine Mutter und ihr Mann sind nicht so. Sie sind liebe Menschen, auf die man sich verlassen kann.
So ist es zum Beispiel, dass sie meine Neigung zur Religion nicht teilen können, weil es einfach nicht ihres ist. Sie reden es mir allerdings nicht die ganze Zeit schlecht, sondern kommen an Weihnachten und Ostern freiwillig mit zum Gottesdienst. Und das finde ich sehr schön!
Es ist toll, dass sie bei all den Problemen und Streitigkeiten, die der Liebste und ich durchstehen, nicht sagen, dass er der letzte A... ist und ich mir bloß einen anderen suchen soll, sondern ihn so annehmen wie sie mich annehmen. Und das tun sie übrigens auch mit der Großen, obwohl sie wieder einmal gemerkt haben wie extrem verhaltensauffällig sie doch ist.

Mit all diesem Hintergrund kann ich nicht daran glauben, dass der Liebste von seinen Eltern geliebt wird. Ansonsten würden sie ihn nicht immer so hintergehen, bestimmen wollen und erpressen. Aber genau das taten sie vor mir und tun es erneut. Wie oft ich dasaß und sagte, dass ich diese Schuld nicht auf mich nehmen kann, weiß ich nicht mehr. Mittlerweile weiß ich, dass es wichtiger ist, ihn nicht für seine Eltern zu bestrafen, indem ich ihn sitzen lasse, sondern einfach mit ihm glücklich bin.
Und ja, dazu gehört auch, dass ich gewisse Wünsche respektieren und dementsprechend auch über meinen eigenen Schatten springe, obwohl es mir wirklich zuwider ist. Ihm zur Liebe. Und wirklich nur ihm!


Vergebung. 
Ich bin immer noch wach und denke darüber nach. Habe ich schon einmal jemanden vergeben? So, dass es mir bewusst war jemanden vergeben zu haben? Ich bin mir nicht sicher. Dieser Gedanke wird mich wohl die nächsten Tage noch beschäftigen.
Und dann ist zu überlegen, wem ich vergeben kann. Denn nur so kann auch mir vergeben werden. Dies allerdings gilt nur dann, wenn der Nächste auch an das glaubt, an das ich glaube. Und eigentlich sagt dieser Satz doch schon, dass ich nicht vergeben kann, weil den zu Vergebenden mein Glaube so fern ist wie die Sterne mir fern sind. Es ist eben nicht die gleiche Basis vorhanden.


So liege ich also mit der Bibel im Bett und lenke mich mit lesen ab. Oder bloggen. Und der Liebste schläft. Schon lange.
Denn der neue Tag hat bereits begonnen. Heute vor einem Jahr war unsere Taufe. Heute können wir unsere Taufkerzen das erste Mal anzünden. :) Das wird ein schöner Tag!

Der Gottesdienst am Sonntag hielt übrigens etwas Besonderes bereit. Unsere Gemeinde erhält bald eine neue B-Glocke, die wegen ihres Tons so heißt. Und, weil die, so wie alle Glocken, bald an einem Freitag 15 Uhr gegossen wird, darf sogar eine Inschrift ausgewählt werden. Wir konnten demokratisch darüber abstimmen. Ich freue mich sehr, dass mein Favorit tatsächlich die Inschrift der Glocke wird.
"Und siehe, ich bin bei euch alle Tage bis an der Welt Ende."
Matthäus 28,18–20

Und nun versuche ich ebenfalls ins Land der Träume zu kommen. Sollte jedenfalls einfacher sein als die letzten Nächte: der Liebste hat mir etwas gegen das Sodbrennen aus der Apotheke mitgebracht.

Keine Kommentare: