Freitag, 13. Mai 2016

Geburtsbericht vom ersten Kind

Vor Ewigkeiten hatte ich mir vorgenommen von der Geburt des Mittleren zu berichten. Und nun ist es soweit: ich werde einen sehr intimen Tag mit euch teilen und von der Geburt meines ersten Kindes berichten.
Ich habe mich dazu entschieden, weil es immer häufiger vorkommt, dass Frauen von schrecklichen Geburten berichten, die oftmals auf das Personal in den Kreißsälen zurück zu führen sind. Und auch ich bin eine von diesen betroffenen Frauen.
Bald steht die Geburt unseres zweiten Kindes an. Umso mehr beschäftigt mich dieses Thema, die Ängste und Sorgen und Herzenswünsche.

Seit der 32. Schwangerschaftswoche hatte ich immer wieder Wehen über mehrere Stunden hinweg. Die Abstände waren sehr kurz. Oftmals half die Badewanne schon nicht mehr. Doch sobald ich im Krankenhaus ankam, war alles wieder vorbei.
In der 39. Schwangerschaftswoche habe ich mir dann sonntags einen Wehentee zubereitet und gut 1 Liter von diesem Ekelgebräu getrunken. Zwei Tage später tat ich es erneut. Und der Tee brachte seine Wirkung in vollen Zügen.

Es begann mit einer absolut unruhigen Nacht von Mittwoch zu Donnerstag. Die Wehen gingen nicht weg. Letztendlich habe ich dann gesagt, dass ich genug von diesen Nächten hatte. Ich habe meinen Liebsten eine Stunde eher geweckt und darum gebeten, dass er mich ins Krankenhaus bringt.
Er konnte mich nur absetzen und den Rest musste ich allein durchstehen. Ich glaube, es tat ihm in dem Moment leid, war aber aufgrund der Arbeitsplanung nicht anders machbar. Im Kreißsaal angekommen konnten dann auch endlich einmal vernünftige Wehen aufgezeichnet werden. Sie hatten allerdings immer noch nichts bewirkt. Da es aber Richtung Geburt ging war eine stationäre Aufnahme sinnvoll. Also landete ich auf einem Zimmer mit einer Frau die ebenfalls entbinden wollte. Ihr jedoch fehlten die Wehen obwohl sie bereits einen Blasensprung hatte.

Die Wehen wurden intensiver. Aber sie veränderten immer noch nichts. Mein Liebster kam trotzdem von der Arbeit, da alle der Meinung waren, dass es noch am selben Tag vollendet ist. Nachmittags wurden die Wehen weniger und ich orderte nach dem Arzt, um zu verdeutlichen, dass ich die Situation einfach nicht mehr tragen kann. Wochenlang Wehen über Stunden, die eigentlich schon intensiv genug sind aber trotzdem nichts bewirken - ihr könnt euch wohl nicht vorstellen wie sehr das am Nervenkostüm zerrt. Ich hab so oft bitterlich geweint.

Dazu kam noch das auffällige CTG beim Frauenarzt, wo während einer leichten Wehe die Herztöne abfielen. Ich hatte seitdem auch zusätzlich noch Angst davor, dass mein kleiner Sohn einen Schaden davon trägt.

Ich habe dann ein paar Globulis bekommen, die noch einmal ordentlich Wehen ausgelöst haben. Zur Nacht hin allerdings wurden sie weniger. Ich konnte dann wenigstens ein wenig Schlaf nachholen.


Meine Zimmernachbarin kam noch vor Mitternacht in den Kreißsaal. Am Morgen stellte sich heraus, dass es bei ihr auf einen Notkaiserschnitt hinaus lief, weil die Werte von ihrem Sohn nicht gut waren. Morgens kam sie dann zurück auf Zimmer mit Baby - und ich war ganz neidisch! Neidisch, weil sie den Kampf endlich hinter sich hatte. Allerdings kam damit auch die Angst auf, dass es bei mir genauso verläuft. Ich wollte also umso mehr, dass es ganz schnell ging. So, wie die Frau da lag und nicht wirklich zurecht kam - nein, das hat mir richtig Angst gemacht.


Meine Wehen kamen dann mit dem ersten CTG nach dem Frühstück wieder zurück. Trotz allem bekam ich einen richtigen Wehencocktail - mit Rizinusöl usw. - baaaah - lecker war der nicht. Aaaaaber das durchspülen tat gut. Ich hatte darauf bestanden, weil ich diese Ängste und diese für mich sinnlosen Wehen nicht mehr aushalten konnte. Wehen, die nichts bewirken aber von den Intensität her eigentlich wirksam sein sollten - das sind die Wehen, die am meisten Kraft rauben. 


2 Stunden später wurde das nächste CTG geschrieben und war schon einmal viel besser als den Tag davor. Nach dem CTG sind wir dann spazieren gegangen. Ich hatte es gerade so die 6 Etagen nach unten geschafft, da war ich bei einem Abstand von 2 Minuten. Einmal um das Gebäude herum gelaufen und dann die 6 Etagen wieder hoch gekämpft auf Station - über jede einzelne Wehe habe ich mich gefreut und die Geburt immer näher rücken sehen. Ich habe mich so stark gefühlt. Kurz vor dem Schwesternzimmer hat mich wieder eine Wehe gepackt und ich wurde gefragt, ob der Arzt einmal nachschauen soll. Natürlich!
Nach der Wehe kämpfte ich mich die letzten Meter fix auf's Zimmer. Da war ich bei einem Abstand von 1 Minute und ich konnte nicht mehr. Ich hockte am Fußende des Bettes und wurde schon ganz wütend, dass die Ärztin so lange brauchte. Der Liebste musste klingeln und ich sagte der Schwester, dass sie bitte ganz schnell kommen soll - die Ärztin. Die kam dann auch schon angelaufen und wurde ein wenig hektisch. Ich wurde provisorisch abgetastet und war bei 1-2cm geöffnetem Muttermund.

Endlich wurde ich mit in den Kreißsaal genommen, weil die Wehen doch schon sehr enorm waren und ich nicht auf Zimmer liegen sollte. Wahrscheinlich, weil man da nicht beobachten konnte, ob sich Komplikationen entwickeln. Und gleichzeitig brauchte meine Bettnachbarin auch ein wenig Ruhe von ihrer anstrengenden Geburt.
Ich landete also 15:51 Uhr im Kreißsaal.


Hier möchte ich jetzt einfach einmal darüber berichten wie sich das für mich im Nachhinein anfühlt: Schrecklich! Ansich wurde ich mir selbst überlassen. Meine Ängste wurden nicht ernst genommen. Ich kann verstehen, wenn man alles so natürlich wie möglich ablaufen lassen möchte. Allerdings war ich ja nun schon 2 Wochen vorher wegen den Auffälligkeiten im Krankenhaus. Und das CTG lügt ja auch nicht. Dazu kommt, dass das immer nur Momentaufnahmen sind und niemand weiß, was während der Nicht-Überwachung passiert.
An dieser Stelle wollte ich eigentlich nur noch nach Hause und ganz allein für mich entbinden. Ich fühlte mich dort nicht wohl und schon gar nicht gut aufgehoben.
Das lag vielleicht auch daran, dass man mir das Gefühl gab, das ich mich nicht so anstellen soll. Und da hört für mich dann jegliches Verständnis auf. Jeder Mensch - nicht nur jede Frau - hat in erster Linie ein anderes Schmerzempfinden und dementsprechend auch Toleranzgrenzen. Gleichzeitig ist es für Laien nicht einfach abzuschätzen, wann es gefährlich wird. Als (werdende) Mutter macht man sich allein schon wegen dem emotionalen Hintergrund ganz anders und viel eher Sorgen als eine Hebamme oder der Arzt.
Es wird nicht ohne Grund gesagt, dass man einfach besser dran ist, wenn man auf seine Intuition hört. Ich habe allerdings versucht mich auf alle anderen zu verlassen und nicht auf mein Gefühl gehört und somit in Kauf genommen, dass ich mich traumatisiert fühle.

Als ob das Rizinusöl nicht genug war, habe ich mich zu einem Einlauf überreden lassen. Man wollte mir auch schon Schmerzmittel geben. Allerdings waren da trotz der Heftigkeit der Wehen kaum Schmerzen. Mit dem Einlauf allerdings wurde es irgendwie schlimmer. Ich hatte so einen enormen Schmerz als ob der Kopf direkt auf meinem Schambein drückt. Ich konnte die Wehen nicht mehr veratmen und schrie so laut ich konnte. Man verpasste mir eine Buskopanspritze und ein Schmerzzäpfchen. Ich hatte allerdings auf eine k.o. Spritze gesetzt. Hier zeigte sich, dass die Kommunikation absolut Mist war.

Das Schmerzzäpfchen war nämlich auch nur irgendetwas entkrampfendes. So stand es in der Akte, die so schön offen auf dem Tisch lag.

Ich weiß für die anstehende Geburt, dass ich weder den Hebammen noch den Ärzten vertrauen werde und alles hinterfrage und überprüfe. Der Liebste weiß auch, worauf es ankommt. 
Ich musste bis zu diesem Zeitpunkt die ganze Zeit am CTG liegen. Ich durfte nicht sitzen, stehen oder umher laufen und die Wehen so verarbeiten wie es für mich am besten gewesen wäre.
Die Geburt wäre ganz anders verlaufen, wenn ich die Möglichkeiten, die am einfachsten umzusetzen sind, hätte nutzen können.

Das ist eben der Nachteil an Krankenhäusern, die gut 3000 Geburten im Jahr durchführen. Ich durfte dann für eine Stunde in die Wanne - danach wollten wir schauen wie es weiter geht. Das Bad tat gut. Zum Ende hin wurden meine Schmerzen aber immer schlimmer.

Wir wechselten also wieder zurück ins Entbindungszimmer. Das Laufen tat gut. Ich musste dann aber wieder liegen damit CTG geschrieben werden konnte. Das war dann auch der Zeitpunkt, an dem ich tatsächlich nach einer PDA bettelte. Niemals wollte ich eine PDA - allein die Vorstellung, dass mir irgendetwas in den Rücken gepiekst wird war mir total unheimlich. Bei einem Kaiserschnitt hätte ich IMMER auf eine Vollnarkose bestanden.
Mein Liebster füllte dann allerdings den Zettel aus.


Die Hebamme versuchte es noch einmal auf anderem Wege mir die Schmerzen erträglich zu machen. Ich bekam so einen Tropf - mit dem habe ich mich echt ziemlich benebelt gefühlt.Trotz allem konnte ich diese blöden Wehen nicht veratmen. Egal wie sehr ich versuchte mich darauf zu konzentrieren - es hat mich sooooo wahnsinnig gemacht! Wie sehr ich doch wollte, dass ich mitmachen konnte, es ging einfach nicht.

Mein Schambein schmerzte so sehr. Und ich musste die ganze Zeit liegen. Ich wollte aber nicht liegen. Ich schimpfte zwischendurch schon ganz arg mit der Hebamme. 

Und dann, ganz plötzlich wurden die Herztöne von meinem Sohn schlechter. Oh Gott, ich bekam so eine arge Angst. Durch das CTG konnte ich das ja alles hören. Ich weiß noch, dass ich gesagt habe, dass sie ihn jetzt sofort rausholen sollen. Ich bekam Wehenhemmer gespritzt - das wiederum war gar nicht gut für meinen Kreislauf. Ich dachte tatsächlich, dass ich jeden Moment bewusstlos werde. Und die Schmerzen waren auch noch da - ist ja auch klar - hat ja niemand gesagt, dass so eine Geburt ein Spaziergang ist.
Na ja, jedenfalls wurde es recht hektisch im Kreißsaal. Ich wurde untersucht und man empfahl mir definitiv eine PDA. Ich nickte nur noch ganz benommen. Ansich bekam ich kaum noch etwas mit. Ich habe mich total apatisch gefühlt. Der Muttermund war ca. 6-7cm geöffnet - also noch genug Zeit, um eine PDA legen zu lassen.

Vorsichtshalber wurde die Blase geöffnet, damit Blut aus dem Kopf entnommen werden konnte. Die Ärztin wollte den Sauerstoffgehalt vom Mittleren prüfen.

Ich bekam noch einmal Wehenhemmer gespritzt und wir waren wieder alleine. Ungefähr 10 Minuten später kamen dann der Narkosearzt mit seiner Assistentin. Wehenhemmer wirken leider nicht so lange und meine Wehen kamen zurück - mit einer Heftigkeit, die ich so niemals erwartet hätte. Da ich sie immer noch nicht veratmen konnte schrie ich den ganzen Kreißsaal zusammen. Mein Liebster musste immer aufpassen - jedes Mal zog ich seine Hand zu meinem Mund und wollte da hinein beißen. Habe ich natürlich unbewusst gemacht. Im Nachhinein klingt diese Kleinigkeit sehr lustig. Für mich ist es aber ein Zeichen, dass ich unbewusst nach einem Weg suchte die Schmerzen zu kompensieren.


Die Hebamme kam mit Anhang - ca. 20 Minuten nachdem die Blase angepiekst wurde. Sie wollten mich noch einmal von der Seitenlage in Rückenlage - oder vielleicht auch nur auf die andere Seite drehen - ich weiß es nicht mehr. Ich maulte jedenfalls, dass ich eine scheiß Wehe habe und mich nicht drehen kann, weil der Kopf so sehr auf den Po drückt. Sie reagierte irgendwie amüsiert - wollte mir nicht glauben. Und das war für mich das i-Tüpfelchen, dass ich mich fühlte, als würde ich mich wie der letzte Mensch anstellen. 

Letztendlich drehten mich alle auf den Rücken damit sie mich noch einmal untersuchen konnte. Tjaaaaaaaaa - große Augen hat sie gemacht. Der Muttermund war komplett geöffnet. der Narkosearzt und seine Assistentin lehnten ganz locker am anderen Ende des Raumes an den Schränken und schauten dem Geschehen zu. Die Hebamme sagte dann zu mir, wenn ich jetzt mitmache, dann schaffen wir es, dass er kommt. So richtig begriffen hatte ich nicht, was sie von mir wollte. Und ich war auch echt ziemlich am Ende. Hatte zwar die Augen auf aber stand völlig neben mir. Sie forderte mich noch einmal zum pressen auf. Irgendwie tat ich, was sie sagte. Und ich gab kein Mucks von mir. Denn im Gegensatz zu den Wehen davor empfand ich die Presswehen als erlösend! Ein zweites Mal pressen und der Kopf war vollständig da. Ich grabbelte zwischen meine Beine und fühlte ihn. Sie sagte, dass ich sogar gucken könnte - tat ich mit Hilfe von meinem Liebsten. Im Nachhinein sagte er, dass ich wie ein Auto geguckt habe - total ungläubig. Und ganz ehrlich, ich dachte, dass es viel schmerzhafter sei als die Wehen davor so einen Kopf hinaus zu pressen. Noch eine einzige Wehe und mein kleiner Liebling war geboren - 20:52 Uhr.
Ich hatte ja immer gewitzelt, dass ich ein Halloweenbaby möchte - mein Sohn hat mir den Wunsch erfüllt.


Mit den Presswehen habe ich mich schlagartig besser gefühlt. Kaum war er draußen wollte ich ihn auch schon zum kuscheln haben und ich war richtig ungeduldig. :) Die arme Hebamme! Was sie alles ertragen musste ... Hut ab vor diesem Job!

Allerdings muss ich auch sagen, dass es halb so schlimm gewesen wäre, wenn man mehr auf mich eingegangen wäre.
Unter der kompletten Geburt waren wir sehr oft allein. Teilweise wurde ich nur von einer Hebammenschülerin betreut. Ich wurde nicht ernst genommen, man ging nicht auf meine Wünsche ein und es wurde dann sogar noch vorwurfsvoll gemeckert, dass ich unbedingt den Wehencocktail wollte. Als ob man mir damit sagen wollte, dass ich selbst Schuld tragen würde, dass es so schlimm war.

Und: mein Liebster - er hat das wundervoll gemacht! Es tat mir wirklich leid, dass es sich über 2 Tage gezogen hat und er ewig weit mit mir gelaufen ist in diesen 2 Tagen. Ja, wir sind die beiden Tage mehrere Kilometer spazieren gewesen - völlig umsonst. 

Er hat mich unterstützt wo er nur konnte, obwohl es nicht sein leiblicher Sohn ist. Und dafür bin ich ihm wirklich sehr dankbar!

Ich hatte dann also meinen Sohn auf der Brust und war endlich glücklich. Ich guckte kurz nach unten und fragte, ob es schlimme Verletzungen sind. Sie sagte, dass sie gleich danach guckt. Aber erst einmal musste die Nachgeburt kommen - zum Glück war die vollständig. Eine Ausschabung wäre jetzt das Letzte gewesen, was ich gebraucht hätte. Und im Endeffekt hatte ich nur 2 kleine Risse, die mit höchstens 3 Stichen genäht werden mussten. 


Während ich geflickt wurde, rief ich Mama an und erzählte kurz. Es wusste nämlich bis zu diesem Zeitpunkt niemand, dass es auf die Geburt hinaus lief. Der tolle Mann an meiner Seite hielt die ersten Momente auf Bildern fest und erledigte den Rest - meine Mädelsgruppe benachrichtigen usw.
Ich war geflickt und mein Sohn sollte dann angezogen werden. Sie nahmen ihn mir ab und ich wollte ihn dann selber anziehen und wickeln. Weil mein Kreislauf aber unter der Geburt echt miserabel war, wurde ich ins Bett gesteckt. Da hielt ich es aber keine 2 Minuten aus und wollte aufstehen. Die Hebamme kam dazu geeilt, weil sie Angst hatte, dass ich gleich umkippe. Dabei habe ich mich sooooo super gefühlt. Wieder richtig kraftvoll und endlos glücklich. Ich schlurfte also durch den Raum zu meinen 2 Männern und freute mich so sehr!
3215g auf 49cm Länge mit einem Kopfumfang von 35cm brachte mein Sohn zustande. 


Grundsätzlich muss man ja 2 Stunden nach der Geburt im Kreißsaal warten. Da mein kleiner Spatz ein wenig unterkühlt war - der lag ja auch nackig und kaum zugedeckt auf mir drauf - musste er noch unter die Wärmelampe. Und ich war die ganze Zeit bei ihm - bei meinem liebsten Sohn. Als er ordentlich Temperatur hatte, wollte ich mit ihm kuscheln und versuchen zu stillen. Da aber keine Hebamme guckte, ging ich zu dem Hebammenzimmer und fragte danach. Und ich konnte mich mit meinem Sohn ins Bett kuscheln und versuchen ihn zu stillen. Klappte nicht so recht. Da die 2 Stunden dann auch um waren, wurde ich von meinem Zugang erlöst, der Blutdruck kontrolliert und dann auf's Zimmer gebracht.


In diesem letzten Abschnitt der Geburt zeigt sich einfach noch einmal wie wenig man darauf achtete, dass alles okay ist. Im Normalfall wickelt man die Babies gleich ein damit sie keine Wärme verlieren. Und man sagt ja auch, dass gerade die ersten 2 Stunden nach der Geburt wirklich wichtig sind. Bereits da sollte das Stillen unbedingt angeleitet werden.

In der Zwischenzeit hatte mein Liebster schon ordentlich Hunger entwickelt, denn der hatte vormittags das letzte Mal etwas gegessen. Auf Zimmer aß er dann ein paar Würstchen, die er eingepackt hatte und die Schwester half mir mit einem beherzten Griff beim Stillen. Klappte dann auch super :) Der Liebste fuhr zu meiner Wohnung, die eben nur 15 Minuten Fahrt entfernt war anstatt die 40 Minuten zu sich zu fahren und kam dann am nächsten Morgen gleich ganz früh wieder zu uns.


Ursprünglich wollte ich direkt nach der Geburt nach Hause. Ich lies mich allerdings dazu überreden wenigstens die U2 abzuwarten. Da alles super war, konnten wir gegen Mittag endlich das Krankenhaus verlassen und das Wochenende gemütlich bei meinem Liebsten verbringen.


Für mich war es die beste Entscheidung bereits so zeitig aus dem Krankenhaus zu gehen. Dieses Mal möchte ich wirklich ambulant entbinden.

Das Schlimmste für mich ist, dass ich mich immer noch nicht gut fühle, weil ich befürchte, dass ich wieder nicht ernst genommen werde und man nicht auf mich eingeht. Für mich ist eine Welt zusammen gebrochen, weil die Geburt so furchtbar schmerzhaft war. 
Im Nachhinein hatte der Mittlere noch mehrere Monate eine Beule am Hinterkopf, die dazu passt, dass er wirklich an meinem Schambein fest hing.
Wahrscheinlich habe ich deshalb in dieser Schwangerschaft zunehmend Probleme mit der Symphyse. 
Und mir will der Gedanke, dass man das hätte verhindern können, nicht aus dem Kopf gehen. Immerhin war der Schmerz nicht so intensiv als ich von der Badewanne zurück in den Entbindungsraum lief. Da sagt mir mein Gefühl, dass ganz simple Dinge den Verlauf der Geburt ganz anders hätten sein lassen.

Für mich habe ich wirklich daraus gelernt, dass ich mich nicht mehr verunsichern lasse. Ich muss viel mehr das einfordern, was mir gut tut und was mir hilft.
Fakt ist, dass ich den ersten Teil der Geburt definitiv Zuhause verbringen werde. Je mehr ich in Ruhe schaffe, umso weniger Zeit muss ich in so einem hektischen, blinden Betrieb entbinden. Ich glaube, dass allein schon das Wohlbefinden viel ausmacht. 

Ich lese diesen Bericht immer wieder durch. Seit mehreren Tagen liegt er als Entwurf bereit. Ich habe immer noch das Gefühl, dass ich nicht vermitteln kann wie es mir ging und warum das alles so schlimm für mich ist. Aber dennoch gebe ich diese Intimität preis. 
Ich wünsche mir, dass jede weitere Geburt einfach nur schön wird.

Keine Kommentare: