Mittwoch, 25. Januar 2017

Menschen machen Kopfschmerzen und Brechreiz

Ach, ich bin so genervt, wütend, enttäuscht und total k.o. Und deshalb folgt ein Jammerpost. Wenn ich das nicht laut herausschreien kann, dann tippe ich mir eben die Finger wund bevor ich vom Hintern bis zum Haaransatz aufplatze, weil ich nicht weiß wohin ich mit mir soll.

Wie schön hat man sich das ausgemalt, an einem gemeinsamen Kind gebastelt und gedacht, dass es näher zusammen bringt. Dann geht der Alptraum aus erster Ehe des Mannes los mit Vernachlässigung des daraus entstandenen Kindes, einer unfähigen Jugendamtsmitarbeiterin, die alles unter den Tisch kehrt (Pfui, schäm du dich in Grund und Boden!!!) und der Aussicht auf eine rosige Zukunft für das bereits wachsende Kind.

Wie oft ich mich gegrämt habe, weil dieses arme Wesen aufgrund eines Herzenswunsches in genau dieses Drama hinein geboren wird ...
Dann folgte in der Schwangerschaft ein Wehendrama das andere. Mittlerweile denke ich, dass es an dem Gendefekt lag. Ich glaube nicht, dass eine natürliche Geburt möglich gewesen wäre.
Und trotzdem wünsche ich mir, dass ich einfach Wehenhemmer und noch ein oder zwei Diazepam genommen hätte, um bei Kräften zu bleiben. Aber nein, ich habe ja auf so ziemlich alle Hilfsmittel verzichtet und unbedingt alles schaffen wollen.

Nach 4 Wochen aneinander gewöhnen und kuscheln wurde es schlimmer. Tagein, tagaus trage ich dieses kleine Wesen, was kaum wächst und viel schreit, im Tragetuch umher. Ich stehe morgens oft kurz vor 4 Uhr auf, weil sie nicht mehr schlafen kann - mittlerweile weiß ich, dass dieses Syndrom oftmals daran schuld ist, dass die Kinder kaum bis keine Schlafhormone bilden können.
Mein Tag beginnt also so früh.
Ich kann mich nicht hinlegen und Schlaf nachholen. Oft laufe ich wippend von einem Raum in den anderen. Meine Knie sind mittlerweile stark geschwollen und das rechte gibt sogar regelmäßig beim Treppen steigen nach, weshalb ich dann auch gern einfach wegsacke. Mein Rücken kribbelt täglich zwischen den Schulterblätter, als ob mein Körper dort 'einschläft'.
Ich bin übermüdet, trinke oftmals nicht einmal 1 Liter am Tag und zum Zähne putzen komme ich oft erst gegen Mittag. Bis dahin habe ich mindestens schon dreimal die kleine Dame in den Schlaf gehüpft und 4 Windeln gewechselt, Frühstück für den Räuber gemacht und mir etwas für das Mittag überlegt, irgendeine nervende Hausarbeit erledigt, damit ich wenigstens etwas getan habe und einen Blick in die Social Media Bereiche geworfen. Dabei checke ich stündlich die Uhr und überlege wie ich die nächsten Stunden überstehen soll. Ich frage mich, ob ich es schaffe, den Räuber anzuziehen, während die junge Dame schreit und nicht zu beruhigen ist, sie selbst warm einpacke und zum Schluss selbst irgendwas über werfe, damit wir etwas frische Luft tanken können. Ich wäge ganz genau ab, ob ich mich emotional so weit davon distanzieren kann, dass ich mich nicht heulend auf den Boden werfe, weil mich dieses Geschrei zerreißt. Weil ich weiß, dass es sie stört, das ich den Räuber anziehe und nicht dabei wippend umher laufen kann. Weil ich weiß, dass die Sauerstoffsättigung (ah dieser Monitor ist manchmal ein wahrer Fluch!) sinkt. Weil ich weiß, dass sie ihren Speichel oft in ihrer Rage nicht hinunter schlucken kann und leider zu oft auf dem Weg zum Ersticken ist.

Und es gibt dabei einfach zu oft Situationen, wo ich es nicht ändern kann. Wenn ich nämlich hinter dem Steuer sitze auf dem Weg zum Arzt. Oder, um wenigstens ein einziges Mal im Monat diesen Ort aus eigener Kraft verlassen zu können und so zutun als täte ich mir etwas Gutes mit einem Ausflug.
Und dann lese ich, dass andere sich darüber aufregen innerhalb von zwei Stunden 4 Windeln wechseln zu müssen. Bei zwei Kindern, die soweit selbstständig sind, dass sie nicht von morgens bis abends getragen werden müssen.

Mir wird dabei immer wieder die Lösung präsentiert, dass doch die Kita die optimale Lösung wäre. Klar, ich lasse mein Kind dann dahin fliegen, oder wie? Und natürlich ist es sooooo einfach ein Kind abzuschieben und sich dabei einzureden, dass es der einzige Weg ist.
Klar, wenn man nicht bindungsorientiert ist und kein Bock auf seine Blagen hat, dann ist das DIE Lösung.
Aber ICH kann's nicht mehr hören. Dieses ach so tolle Emanzengetue geht mir richtig auf die Nerven. Mittlerweile haben Tiere mehr Rechte und werden besser geschützt als Kinder.

[Aber Hauptsache DIE OLLE VOM SCHMIDT!!!!! (danke lieber Soldat ...) hat halt Pech. Die sitzt ja Zuhause und kann sich um die Kinder kümmern. Macht ja nichts, dass im Grundgesetz verankert ist, dass ein Kind ein Recht auf Mutter UND Vater hat. Und nur, weil man seinen behaarten Arsch verkauft hat und nicht mehr selbstbestimmt ist, heißt das nicht, dass dieses Recht des Kindes erlischt! 
An dieser Stelle wird mir bewusst, dass ich einen Anwalt aufsuchen sollte ...]

Die werden nämlich größtenteils mit einem Jahr in überfüllte Räume gestopft und müssen sich anpassen. Sie dürfen nicht mehr sie selbst sein und werden in ihrer Entwicklung beschränkt, weil es nur um XYZ Mittag gibt, unabhängig davon, ob gerade ein Wachstumsschub großen Hunger verursacht. Oder der Kopf schmerzt, weil es keine Möglichkeit gibt sich dem Lärm einer Kita zu entziehen.
Ja, ich finde, das Kindergärten DER KNAST für Kinder ist. Es ginge den meisten Kindern besser, wenn sie ihre sozialen Kontakte mit ihren Muttis oder Vätern in Spielgruppen machen könnten. Wenn man sich einmal unsere Nachbarländer anschaut, dann kann man verstehen, was ich meine.

Aber so ist das nun einmal. Gesellschaftszwang. Und das Unverständnis über diese extreme Situation anderer Erwachsener widert mich so dermaßen an, dass ich mich ab sofort weigere und nicht mehr bis an meine Grenzen gehe, die mittlerweile mehr als großzügig ausgenutzt werden.
Es gibt wirklich menschliche Schweine. Ich frage mich wie die bisher in der Evolution überleben konnten. Wahrscheinlich sind sie nicht schmackhaft genug, um verspeist zu werden.

Und jaaaaaah, ich erläutere noch einmal, dass wir etliche Möglichkeiten ausgeschöpft haben. Die meisten davon sind nicht umsetzbar. Teils auch aufgrund von Starrsinnigkeit. Aber andere dürfen ... klar.

Ich bin es leid. Aber: so wie man in den Wald hinein ruft, so schallt es auch wieder hinaus.

Zu meinem Leidwesen musste ich die Nacht auf der Couch verbringen. Und die Kostenübernahme der Frühförderung wurde abgelehnt, weil: KEINE WESENTLICHE EINSCHRÄNKUNG AN DER TEILHABE AM GESELLSCHAFTLICHEN LEBEN FESTGESTELLT WERDEN KANN.
Ich glaube, bei denen schepperts ein bisschen zu laut zwischen den Ohren?! Ein Säugling, welches - übrigens entgegen der Meinung der Hausärztin, die so wunderbar zuhören kann - entwicklungsverzögert ist und von morgens bis abends bisauf höchstens zwei Stunden nur im Tragetuch den Tag verbringen kann, ist absolut gar nicht in der Lage am gesellschaftlichen Leben teilzunehmen. Babyschwimmen oder Krabbelgruppe ist nicht machbar. Nicht einmal das Auto fahren ist zu bestreiten.
Aber laut deren Aussage findet ja gar keine Teilhabe am gesellschaftlichen Leben statt, weshalb keine Einschränkung besteht. Dass das aber bedeutet, das ein Säugling quasi isoliert lebt, haben die wohl nicht verstanden?!
Just in diesem Moment möchte ich einfach nur dieses vermalledeite elektrische Gerät quer durchs Wohnzimmer pfeffern, weil mich diese Beschränktheit verdammt wütend macht. Das haben die nämlich einfach so entschieden. Ohne jegliche Befragung.


Es ist einfach nur noch zum Haare raufen.
Ich weiß schon, warum ich so viele Menschen nicht leiden kann. Diese Besserwisser und Alleskönner, diese Ignoranz - davon wird mir so schlecht, dass ich bis zum Erdkern kotzen könnte.


Und ja, wer es nicht gewohnt ist: ich kann auch anders. Verdammt anders. Ich muss nicht immer nett und aufopfernd sein. Ich kann auch verdammt böse werden.
Und so sehr lieblos sich das alles hier anhört, so sehr schmerzt es mich auch. Ich glaube, niemand wird jemals verstehen wie es mir geht. Wie schwer mir das alles fällt. Und ich trotzdem diese seltenen, besonderen Momente genieße und liebe:




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